Ramon Llull: Kloster Santa Maria de la Real
Palma

Ramon Llull hielt sich mehrmals im Kloster Santa Maria de la Real auf, da es in der wichtigsten Informationsquelle über sein Leben, Vita coetania, gesammelt wird

Später dann stieg der ehrwürdige Vater auf den Berg Randa, der nicht allzu fern von seinem Haus lag, um dort besser beten und unserem Herrn dienen zu können. Nachdem er sich dort schon fast acht Tage aufgehalten hatte, geschah es, dass er gerade den weiten Himmel betrachtete, als ihm plötzlich eine göttliche Vision zuteilwurde und ihm auftrug, Bücher über die Irrtümer der Ungläubigen zu schreiben. Der ehrwürdige Pater sagte freudig und unter vielen Tränen dem Herrgott Dank für diese wunderbare Gunst. Rasch stieg er von dem Berg herab und ging schnellen Schrittes zum Kloster La Real, um unverzüglich die Arbeit an den Schriften aufzunehmen. Tatsächlich veröffentlichte er ein sehr schönes Buch mit dem Titel Arte mayor und später noch Arte general, und kompilierte darüber hinaus noch viele Bücher zum Nutzen der ungebildeten Menschen,...

Vita coetanea, 1311

Übersetzt von Charlotte Frei.

Ramon Llull

(1232 - 1316). In den Jahren unmittelbar nach der Eroberung Mallorcas durch Jaume I. in Palma geboren, war Ramon Llull eng mit dem Königshaus verbunden und erhielt eine standesgemäße intellektuelle Erziehung. Er heiratete, hatte zwei Kinder und führte zunächst ein ausschweifendes Leben am Hof. Im Alter von 30 Jahren, so berichtet er in seiner eigenen Chronik, erschien ihm Christus fünf Mal hintereinander, was sein Leben radikal veränderte. Er verließ seine Familie und die Annehmlichkeiten des Wohlstands und stellte sein Leben ab nun voll und ganz in den Dienst Gottes. Ramon Llull verschrieb sich vor allem der Bekehrung von Ungläubigen und der Reform des Christentums. Zunächst erlegte er sich selbst eine Phase des autodidaktischen Lernens auf, wozu er sich zunächst ins Kloster La Real in Palma begab, um sich anschließend in eine Einsiedelei auf dem Berg Puig de Randa in Algaida zurückzuziehen. Hier erarbeite er seine Methode, die er Arte nannte. Später gründete er die Schule Miramar, um Missionare in seiner Methode der Bekehrung von Ungläubigen zu unterrichten. Er unternahm lange Reisen durch Spanien, Frankreich, Italien und Nordafrika, um die Machthaber der Kirche in seine Initiativen zu involvieren. Er hinterließ ein umfangreiches Werk in katalanischer, arabischer und lateinischer Sprache. Man schätzt die Anzahl auf 265 Schriften zu unterschiedlichen Bereichen: philosophische Abhandlungen, wissenschaftliche Artikel, theologische Traktate, Gedichte und Literatur. Llull war der erste Schriftsteller, der die Sprache Katalanisch für literarische Zwecke benutzte.

Vita Coetanea heißt die Autobiografie von Llull, die er Mönchen der Kartause von Vauvert in Paris diktierte. Man nimmt an, dass sie am Ende seines letzten Pariser Aufenthalts niedergeschrieben wurde und einen Großteil seines Lebens umfasst.

Santa Maria de la Real

Das Zisterzienser Kloster Santa Maria la Real wurde 1232 gegründet. Jaime I. hatte Nuño Sánchez erlaubt, ein Kloster zu errichten, das der Abtei von Poblet unterstand. 1266 ließen sich die ersten Mönche aus Poblet in La Real nieder, nachdem sie zuerst den Gutshof von Esporles und ein Kloster in der Altstadt von Palma bewirtschaftet hatten.

Ramon Llull lebte in diesem Zisterzienser Kloster neun Jahre lang, von 1765 bis 1273. Er soll dort jene Schriften studiert haben, die seine Lehrjahre besonders prägten. Die enge Bindung zu dem Kloster zeigte sich auch später, als Llull der Bibliothek eine Truhe mit Büchern vermachte.

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