Carme Riera: Straße von Pueyo amb Jaquotot i Oliva
Palma

Das Haus in Palma, in dem ich lebte, seit ich wenige Wochen alt war, und in dem ich meine ganze Kindheit und Jugend verbrachte, hatte mein Urgroßvater gegen 1880 gekauft. Mit den typischen Kalksteinquadern aus dem Steinbruch von Santanyí errichtet – bis vor Kurzem ein charakteristisches Element der mallorquinischen Architektur – steht es am Ende der an der Plaça de Weyler beginnenden Straße,  sodass man  nicht  geradeaus bis zu den Ramblas gelangen kann. Um dorthin zu kommen, muss man links abbiegen und ungefähr fünfzig Meter zwischen der Mauer des Kapuzinerklosters und unserer Hauswand durch die Carrer d’Oliva gehen.

[…]

Unsere Straße ist eng, wie viele im Stadtzentrum, und kurz. Etwa fünfzig Schritte zählte ich, wenn ich von der Schule kam. Da eine scharfe Kurve an der Stelle, wo die Straßen  Jaquotot und Oliva zusammenstoßen, den Verkehr von vierrädrigen Fahrzeugen nicht zulässt, fuhren hier kaum Autos durch.

Temps d’innocència [Zeit der Unschuld], 2013

Übersetzt von Claudia Kalasz.

Carme Riera

(Barcelona, 1948). Verfasserin von Romanen und Erzählungen, Philologin und Professorin an der UAB (Universitat Autònoma de Barcelona). Ihr Werk umfasst unter anderem den Erzählband Te deix, amor, la mar com a penyora (1975) und die Romane Dins el darrer blau (1994) [Ins fernste Blau, deutsch von Petra Zickmann und Manel Pérez Espejo] L’estiu de l’anglès (2006) [Der englische Sommer, deutsch von Kirsten Brandt] sowie Temps d’innocència (2013). Ihr Werk wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter der Premi Nacional de Literatura (2001) und der Premio Nacional de las Letras Españolas (2015). 2012 wurde sie in die Real Academia Española aufgenommen. Ihre Antrittsrede hielt sie Sobre un lugar parecido a la felicidad [Über einen Ort, der dem Glück ähnelt].

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